13. Mai 2026
Marc, wenn man deinen Lebenslauf anschaut, fällt die Käserlehre auf. Danach warst du über zehn Jahre bei Züger Frischkäse tätig. Inwiefern hat dich diese Zeit für deine heutigen Aufgaben als Unternehmer und Politiker geprägt?
Diese Zeit hat mich beruflich und persönlich stark geprägt. Als ich bei Züger angefangen habe, waren wir weniger als 40 Mitarbeitende. Als ich das Unternehmen verlassen habe, waren es bereits über 250. Das stetige Wachstum brachte grosse Herausforderungen mit sich, insbesondere bei der Reorganisation von Führungsstrukturen und Prozessen. Besonders geprägt hat mich aber die Zusammenarbeit mit dem gesamten Team. Dort galt die Haltung: «Geht nicht, gibt’s nicht.» Genau dieser Einsatzwille, die Bodenständigkeit und der Zusammenhalt haben mich nachhaltig beeinflusst. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Veränderungen aktiv anzupacken und auch in anspruchsvollen Situationen dranzubleiben.
Heute leitest du die SYGMA AG und politisierst im St.Galler Kantonsrat. Wo sammelst du die nötige Energie, um den Fokus zu behalten?
Neue Energie tanke ich in erster Linie bei meiner Frau und meinen Kindern. Auch wenn mich die Kids manchmal an den Rand des Wahnsinns bringen, helfen sie mir gleichzeitig dabei, abzuschalten und den Fokus auf das Wesentliche zu richten. Wir sind als Familie sehr aktiv – sei es beim Wandern, Velofahren, unterwegs mit dem Wohnwagen oder einfach draussen in der Natur. Für mich persönlich ist auch Sport ein wichtiger Ausgleich. Dazu kommt ein enger Freundeskreis, der mich immer wieder erdet und mir hilft, die Bodenhaftung zu behalten.
Gibt es nach einem intensiven Sitzungstag etwas, mit dem man dir eine Freude machen kann?
Es macht mir am meisten Freude zu sehen, dass in der Firma auch ohne meine Anwesenheit alles läuft. Wenn mein Führungsteam Verantwortung übernimmt, selbstständig Entscheidungen trifft und der Betrieb funktioniert, zeigt mir das, dass wir als Team vieles richtig machen. Für mich ist genau das ein Zeichen von Vertrauen, guter Zusammenarbeit und nachhaltiger Führung, welche mich entlastet.
Du bist in der Region tief verwurzelt. Was macht die WPO-Region für dich als Wirtschaftsstandort im Vergleich zu anderen so einzigartig?
Die Region zeichnet sich für mich durch eine ideale Kombination aus: eine hervorragende Lage, starke wirtschaftliche Strukturen und eine hohe Lebensqualität. Wil ist von allen Seiten sehr gut erschlossen und liegt strategisch attraktiv zwischen mehreren wichtigen Wirtschaftsräumen. Gleichzeitig bietet die Region alles, was es zum Leben braucht – kurze Wege, gute Infrastruktur, attraktive Arbeitsplätze und ein aktives Vereinsleben. Dazu kommen viele innovative und gleichzeitig bodenständige Unternehmen, die langfristig denken. Genau diese Mischung aus Unternehmergeist, Stabilität und Bodenständigkeit macht unsere Region aus.
Deine Firma ist seit 2019 WPO-Mitglied. Gibt es eine Begegnung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Diskussion ganz zu Beginn mit Roman Habrik, Gemeindepräsident Kirchberg und langjähriges WPO-Vorstandsmitglied. Er hat mir damals sehr klar aufgezeigt, weshalb eine starke wirtschaftliche Plattform für die Region wichtig ist – gerade um Unternehmen zu vernetzen, gemeinsame Interessen zu vertreten und die Region weiterzuentwickeln. Der Erfolg der letzten Jahre hat ihm absolut recht gegeben.
Heute stehst du selbst an der WPO-Spitze. Wie willst du deine Rolle an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik konkret nutzen?
Ich möchte aufzeigen, dass es sich lohnt, wenn sich Unternehmen aktiv politisch einbringen. Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft entstehen nicht zufällig – sie werden politisch gestaltet. Gleichzeitig sehe ich es als wichtige Aufgabe, Politik und Verwaltung näher an die wirtschaftliche Realität heranzuführen.
Hansjörg Brunner hat als Gründungspräsident die Aufbauarbeit geleistet. Was soll künftig die «Handschrift Flückiger» bei WPO sein?
WPO ist heute erwachsen geworden. Nun geht es darum, das Profil weiter zu schärfen und die Strategie gezielt weiterzuentwickeln. Meine persönliche Handschrift soll vor allem darin sichtbar werden, dass wir mehr Unternehmerinnen und Unternehmer motivieren können, sich aktiv einzubringen. Wer wirtschaftliche Verantwortung übernimmt, sollte auch bereit sein, gesellschaftliche und politische Verantwortung mitzutragen.
Wenn wir über die Strategie sprechen: Welche Themen müssten wir deiner Meinung nach in der Region stärker gewichten?
Neben dem diesjährigen Fokusthema Sicherheit sehe ich insbesondere zwei weitere Themen: erstens die Stärkung des Milizsystems und zweitens eine konsequente Modernisierung sowie Beschleunigung staatlicher Prozesse. Wir brauchen weniger Bürokratie, klarere Zuständigkeiten und schnellere Verfahren. Nur so bleibt unsere Region auch in Zukunft wettbewerbsfähig und handlungsfähig.
Woran wirst du am Ende deiner ersten Amtszeit konkret erkennen, dass sich für die Unternehmen etwas verbessert hat?
Ich würde es daran erkennen, dass die Unternehmen in der Region einen direkteren und einfacheren Zugang zu Politik und Verwaltung haben. Gleichzeitig ist es mir wichtig, den Austausch mit den Gewerbe- und den Arbeitgebervereinen weiter auszubauen.
Zum Schluss: Was gibst du den WPO-Mitgliedern für die Zukunft mit auf den Weg?
Dass das Netzwerk weiterhin aktiv genutzt wird. Nicht nur als Plattform zum Zuhören, sondern als Ort des Mitgestaltens. Nur dabei sein reicht nicht. Wirkung entsteht erst, wenn man sich einbringt, austauscht und das Netzwerk aktiv lebt. Genau darin liegt die Stärke von WPO und diese gilt es gemeinsam weiter auszubauen.