Kaum ein Jahr ist es her, seit wir voller Zuversicht das WirtschaftsPortalOst aus der Taufe gehoben haben. Und gar erst vier Monate sind vergangen, seit wir zu Silvester die Gläser erhoben und uns auf ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr zugeprostet haben. Tempi passati! Jetzt mitten im Frühling bei spriessender Natur und oft herrlichem Sonnenschein sehen wir uns mit einer ganz anderen Realität konfrontiert. Seit Wochen werden wir oder präziser ausgedrückt die ganze Welt vom Coronavirus dominiert. Die Schulen sind geschlossen, viele Läden und alle Restaurants ebenso und sämtliche Veranstaltungen sind abgesagt. Das öffentliche und soziale Leben ist weitgehend eingestellt, die Kursverluste an der Börse könnten einem das Blut in den Adern gefrieren lassen, genau gleich wie die düsteren Zukunftsprognosen für unsere Wirtschaft. Das Coronavirus hält uns alle in Atem und produziert existenzielle Unsicherheit, individuell wie kollektiv, überall und gleichzeitig. Die ökonomischen, aber auch die sozialen Folgen sind derzeit kaum absehbar. Dafür fehlt uns die Erfahrung mit einer solch weltumspannenden Krise.

Als «Schwarzen Schwan» bezeichnen Zukunftsforscher kaum vorhersehbare Ereignisse. Und genau so ein «Schwarzer Schwan» ist nun über uns hereingebrochen. Total unerwartet und unvorhersehbar? Wirklich? Oder musste es sogar so weit kommen? War und ist eine solche Warnung notwendig, damit unser Blick auf das wirklich Wichtige wieder geschärft wird? Mit Jahrgang 1966 gehöre ich zu einer der glücklichen Generationen, die im bisherigen Leben ohne grosses eigenes Zutun vor wirklicher Unbill und elementaren Sorgen verschont geblieben sind. Nur unterbrochen von ein paar überschaubaren Krisen, ist es immer weiter aufwärts gegangen. Der Wohlstand hat sich erhöht, der Wirtschaftsmotor lief auf Hochtouren. «Vorwärts, aufwärts, weiter!», das war für uns alle eine Selbstverständlichkeit. Dass da eine gewisse Bequemlichkeit und Sorglosigkeit Einzug eingehalten hat, ist niemandem anzulasten.

Nun aber beherrscht uns eine ganz andere Realität! Jetzt sind Demut, Gemeinsinn und Solidarität gefragt. Nebst all dem Schlimmen, das wir zurzeit durchleben und durchleiden, spüre ich immer mehr auch die positiven Veränderungen. Den von der deutschen Bundeskanzlerin auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise geäusserten Satz «Wir schaffen das!» hört man in Anbetracht der Corona-Krise auf einmal auch bei uns sehr oft. Und das ist richtig so! Davon bin ich überzeugt! Denn wir sind stark – nicht allein, aber gemeinsam! Die Eidgenossenschaft als Vorbild für die unzähligen Gremien verschiedenster Interessensgruppen. Eine davon ist das WirtschaftsPortal­Ost – Lebens- und Arbeitsregion Wil. Um gemeinsam wieder auf die Beine zu kommen wird es uns in Zukunft erst recht brauchen. Das WPO hat sich den Zusammenschluss von Politik und Wirtschaft zum Wohle der gesamten Gesellschaft auf die Fahne geschrieben. Dieses Bekenntnis werden wir einlösen und die grossen Herausforderungen der kommenden Jahre anpacken und zu nachhaltigen Lösungen führen.

Hansjörg Brunner
Präsident WirtschaftsPortalOst